Thoraxbestrahlung bei Lungenkrebs: Bedarfsermittlung und Adressierung von Ängsten durch VR-Edukation

Verantwortliche Personen:
AG Landgraff - Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Würzburg
Landgraff

Abbildung 1: Stephan-Peter Landgraff (Einzelforscher, Doktorand)

 

TEAM

 

Stephan-Peter Landgraff ist diplomierter Medizinpädagoge, MTRA und Doktorand in der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Würzburg. Mit seinem sehr gut abgeschlossen Master of Education im Fachgebiet Medizinpädagogik, seiner langjährigen Erfahrung in medizinischer Ausbildung und universitärer Lehre sowie seiner täglichen Arbeit in der Patientenversorgung vereint er pädagogische und medizinische Expertise fachgerecht und patientennah. Durch die klinische Arbeit sind ihm die Bedürfnisse bestrahlter Patient*innen gut vertraut, ebenso wie die kommunikativen Herausforderungen, die eine solche Behandlungssituation mit sich bringt. Die Bedürfnisse der Betroffenen und der daraus entstehende Bedarf an Patientenaufklärung, Partizipation und Patientensicherheit sind Themen, die im klinischen Alltag bewusst stärker adressiert werden sollen. Dieses Projekt soll dazu beitragen und ergänzt bereits bestehende Initiativen, wie etwa die Teilnahme an Physikgesprächen zur Förderung eines besseren Verständnisses der Strahlentherapie.

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Abbildung 2: Bilder zum Projekt

 

Motivation und Innovation

 

Thorakale Tumorerkrankungen umfassen ein breites Spektrum maligner Neoplasien des Brustkorbs. Diese Entitäten zählen weltweit zu den häufigsten und prognostisch ungünstigsten Krebserkrankungen. Das Lungenkarzinom allein ist für die höchste tumorbedingte Mortalität weltweit verantwortlich und stellt sowohl Betroffene als auch das Gesundheitssystem vor Herausforderungen [1]. In Deutschland werden jährlich ca. 57.000 Neuerkrankungen diagnostiziert, wobei die 5-Jahres-Überlebensrate stadienabhängig zwischen 10% und 60% variieren kann [2]. Die Strahlentherapie nimmt in der kurativen Behandlung eine zentrale Rolle ein. Je nach Tumorart, Stadium und Allgemeinzustand kommen unterschiedliche Therapiekonzepte zum Einsatz. Allen gemeinsam ist die Therapie über einen Zeitraum von typischerweise 5 – 7 Wochen mit täglichen Bestrahlungssitzungen. Diese intensive und mitunter nebenswirkungsreiche Behandlung stellt in Zusammenhang mit der zugrundeliegenden Erkrankung eine erhebliche psychische Belastung für die Betroffenen dar [3, 4]. Viele Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung ausgeprägte Ängste, auch gegenüber kurativen Therapieverfahren, die oft nur unzureichend verstanden werden. Es fehlt bislang an einer systematischen Erfassung dessen, was Patienten diesbezüglich wirklich wissen und verstehen wollen und ebenso an realitätsnahen und patientenorientierten Edukationsangeboten. Genau hier setzt dieses Promotionsprojekt an. Besondere Relevanz und Zukunftsfähigkeit erhält das Vorhaben durch die seit Kurzem bestehende Zugänglichkeit des Lungenkrebsscreenings, durch welches in den nächsten Jahren eine wachsende Zahl an Patienten mit dieser Krankheit eine Strahlentherapie erhalten wird.

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Abbildung 3: Bilder zum Projekt

 

Welche Ziele verfolgt das Projekt?

 

Das Projekt zielt darauf ab, systematisch zu erfassen, welche Informations- und Edukationsbedürfnisse Lungenkrebspatienten vor und während der Strahlentherapie haben. Hierfür werden sowohl diesbezüglich radioonkologisch behandelte Patienten befragt als auch die Einschätzungen eines multiprofessionellen Expertenteams aus Strahlentherapeuten, Medizinphysikern, MTRs, Gesundheits- und Krankenpflegern sowie Psychoonkologen einbezogen. Anschließend soll ein zielgruppenorientiertes Edukationskonzept entwickelt werden, das die virtuelle Bestrahlungssimulation VERT als patientenorientiertes Aufklärungsinstrument nutzt. Schließlich soll die Wirksamkeit dieses Konzepts klinisch belegt werden, durch die signifikant messbare Reduktion von Angst und der Zunahme an Lebensqualität sowie die nachweisliche Verbesserung des Wissensstands bei Lungenkrebspatient*innen.

Warum soll das Forschungsprojekt unterstützt werden?

 

Lungenkrebs betrifft jährlich tausende Menschen in Deutschland und dennoch sind die psychischen Belastungen und Informationsbedürfnisse dieser Patienten im Kontext der Strahlentherapie kaum systematisch untersucht. Dieses Projekt schließt eine klar identifizierbare Versorgungslücke und hat das Potenzial, das Wohlbefinden und die Lebensqualität Betroffener zu verbessern. Die Förderung unterstützt somit eine patientenzentrierte Forschung, deren Ergebnisse unmittelbar in den klinischen Alltag überführt werden können. Das entwickelte Edukationskonzept ist zudem so angelegt, dass es nach Projektabschluss auf weitere onkologische Patient*innengruppen und deren spezifische Bedürfnisse adaptiert werden kann. Die Kombination aus systematischer Bedürfnisanalyse, innovativer VR-Technologie und dem Fokus auf Patientenedukation macht dieses Projekt zu einem in dieser Form einzigartigen und förderungswürdigen Vorhaben.

 

Literaturnachweise

 

[1] Sung H, Ferlay J, Siegel RL, et al. Global Cancer Statistics 2020: GLOBOCAN Estimates of Incidence and Mortality Worldwide for 36 Cancers in 185 Countries. CA Cancer J Clin. 2021;71(3):209-249. doi:10.3322/caac.21660

 

[2] S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. AWMF-Registernummer: 020/007OL. Leitlinienprogramm Onkologie. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom/

 

[3] Rades D, Al-Salool A, Bohnet S, Yu NY. Prevalence of and Risk Factors for Emotional Distress in Patients Undergoing Radiotherapy for Lung Cancer. Anticancer Research. 2023;43(5):2111–2118. doi:10.21873/anticanres.16372

 

[4] Loving B, Oyeniyi JF, Qu L, Grills IS, Stevens CW, Stromberg JS. Distress in Lung Cancer Patients Undergoing Radiotherapy: Risk Factors and Clinical Implications. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2024. doi:10.1016/j.ijrobp.2024.07.855

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