Familienleben mit elterlicher Krebserkrankung – ein Wochenendprogramm für Familien

Verantwortliche Personen:
AG Maatouk – Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Würzburg
Ag-Maatouk

Abbildung 1: Dr. rer. pol. Franziska Reinhardt (links oben), Dr. phil. Julia Haupert (rechts oben), Antonia Rabe M. Sc. (links unten) und Prof. Dr. med. Imad Maatouk (rechts unten)

 

TEAM

 

Das Team verfügt über umfassende psychoonkologische, psychosoziale und wissenschaftliche Expertise in der Versorgung von Familien mit elterlichen Krebserkrankungen und begleitet aktuell betroffene Familien im Rahmen der Kleeblatt-Sprechstunde. Die Sprechstunde ist an der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg sowie am Lehrstuhl für Integrierte Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Imad Maatouk angesiedelt.

Motivation und Innovation

 

Krebserkrankungen stellen Patient:innen und ihre Familien vor immense psychosoziale Herausforderungen. Angehörige sind oft erheblichen emotionalen und sozialen Belastungen ausgesetzt, die auch den Heilungsprozess und das Wohlbefinden der Patient:innen beeinflussen. Familienzentrierte Ansätze können in dieser Phase entscheidend zur Stabilisierung und Stärkung beitragen. Am Universitätsklinikum Würzburg werden daher seit 2024 betroffene Familien im Rahmen der Kleeblatt-Sprechstunde psychosozial begleitet. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass dieses Angebot eine wichtige und wirksame Unterstützung darstellt, insbesondere durch entlastende Einzel- und Familiengespräche sowie professionelle Beratung.

 

Gleichzeitig wird in der Versorgung eine klare Grenze sichtbar. Der Austausch mit anderen betroffenen Familien, insbesondere in einem strukturierten, geschützten Rahmen, kann in der Sprechstunde bislang nicht abgebildet werden. Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass dieser Austausch für viele Familien eine wichtige ergänzende Unterstützung darstellt. Besonders für Kinder und Jugendliche ist es von großer Bedeutung, Gleichaltrige in ähnlichen Lebenssituationen zu treffen. Dies kann Gefühle von Isolation und „Anderssein“ verringern und das Gefühl von Zugehörigkeit stärken. Auch Eltern erleben den Austausch mit anderen betroffenen Familien als entlastend und stärkend für die eigenen Bewältigungsprozesse.

 

Hier setzt das geplante Familienwochenende an. Ziel ist es, erstmals ein kompaktes familienzentriertes Gruppenformat zu etablieren, das den gemeinsamen Austausch gezielt integriert. Das Wochenende verbindet therapeutische Begleitung mit strukturierten Austauschformaten und erlebnispädagogischen Elementen und schafft somit einen Rahmen für gegenseitige Unterstützung. Dadurch wird die bisher bestehende ambulante Versorgung durch ein intensives, familienorientiertes Gruppenangebot ergänzt.

 

Zur systematischen Weiterentwicklung des Angebots wird das Familienwochenende evaluiert. Mittels altersgerechter Feedbackinstrumente und leitfadengestützter Interviews werden Erfahrungen erfasst sowie Wirkfaktoren und Optimierungsbedarfe festgestellt. Tagebuch- und Netzwerkanalysen ermöglichen zudem die Erfassung von Stimmungen, Austauschprozessen und neu entstehenden Verbindungen zwischen den Familien.

Illustration-Ablauf-Familienwochenende
Abbildung 2: Zentrale Bausteine des strukturierten Wochenendprogramms für Familien

 

Welche Ziele verfolgt das Projekt?

 

Übergeordnetes Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Bedeutung von Peer-Support im familienonkologischen Kontext differenziert zu analysieren und Perspektiven für eine nachhaltige Integration in die Versorgungsstruktur abzuleiten.

 

Erkenntnisbezogene Ziele:

  • Evaluation der Machbarkeit und Akzeptanz eines familienzentrierten Wochenendformats für Familien, in denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist

  • Erhebung erster empirischer Hinweise zum Nutzen und potentiellen Effekten des Angebots im Hinblick auf psychosoziale Entlastung, familiären Zusammenhalt und Resilienz

  • Identifikation zentraler Wirkkomponenten als Grundlage für die Weiterentwicklung und mögliche Verstetigung des Formats

 

Interventionsbezogene Ziele:

  • Strukturierter Austausch zwischen betroffenen Kindern, Jugendlichen und Eltern.

  • Reduktion von Gefühlen der Isolation durch Gemeinschaft und Normalisierung

  • Stärkung des familiären Zusammenhalts 

  • Förderung individueller sowie familiärer Bewältigungskompetenzen durch moderierten Austausch

  • Anstoß zur Entwicklung nachhaltiger Unterstützungsnetzwerke, über die Dauer der Veranstaltung hinaus 

Ansatz des Forschungsprojektes

 

Das Forschungsprojekt verfolgt einen familienorientierten, versorgungsnahen und explorativen Ansatz. Im Fokus steht die praxisnahe Erprobung des Formats unter realen Bedingungen der klinischen Versorgung.

 

Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes, der standardisierte Feedbackerhebungen mit qualitativen, leitfadengestützten Interviews kombiniert. Dadurch werden sowohl strukturierte Einschätzungen als auch vertiefte Einblicke in subjektive Erfahrungen und gruppendynamische Prozesse ermöglicht.

Welche Krebserkrankung soll behandelt werden?

 

Teilnehmen können Familien, in denen ein Elternteil an einer Krebserkrankung leidet und die am Universitätsklinikum Würzburg, insbesondere im Rahmen der Kleeblatt-Sprechstunde betreut werden. Die Teilnahme ist unabhängig von der Tumorentität sowie dem Krankheitsstadium möglich.

 

Geplant ist die Teilnahme von bis zu 10 Familien, um eine intensive Betreuung sowie gruppendynamische Prozesse in einem überschaubaren Rahmen zu ermöglichen. Bei der Zusammensetzung der Gruppen wird auf eine möglichst homogene Altersstruktur der Kinder und Jugendlichen geachtet, um altersgerechte Austausch- und Interaktionsprozesse zu fördern.

 

Zudem wird, soweit im Vorfeld möglich, der Krankheitsverlauf bzw. die aktuelle Behandlungssituation berücksichtigt, um vergleichbare Lebenslagen innerhalb der Gruppe zu ermöglichen und Überforderung einzelner Familien zu vermeiden.

Warum soll das Forschungsprojekt unterstützt werden?

 

Bei positiver Evaluation ist vorgesehen, das Familienwochenende als regelmäßig stattfindendes Angebot (z. B. jährlich) am Universitätsklinikum Würzburg zu etablieren.

 

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des beschriebenen Familienwochenendes sollen genutzt werden, um das Format konzeptionell weiterzuentwickeln und perspektivisch auf andere Versorgungskontexte zu übertragen. Die ergänzenden Follow-up-Erhebungen dienen dazu, Hinweise auf nachhaltige Effekte und mögliche Verstetigungsprozesse innerhalb der Familien zu gewinnen.

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