Natur erleben im Krankenhaus – Die FOREST-IN-Studie

Verantwortliche Personen:
AG Löffler – Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Würzburg
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Abbildung 1: Teamfoto FOREST-IN Studie

Oben links nach rechts das Forschungsteam der FOREST-IN Studie: Senta Kiermeier (Wissenschaftlerin FOREST Studie), Prof. Dr. med. Claudia Löffler (Leitung Integrative Onkologie), Lisa Schiffmann (Wissenschaftlerin FOREST Studie) und Mandy Uhlmann (Studienkoordinatorin FOREST-Studie).

 

Team

 

Das Team von Komplementäre Onkologie Integrativ unter der Leitung von Prof Dr. med. Claudia Löffler besteht derzeit aus zwei Sportwissenschaftlerinnen, zwei Ernährungswissenschaftlerinnen und zwei Pflegekräften und zwei Studienkoordinatorinnen. Gemeinsam machen wir uns in der Patientenversorgung und der Forschung stark für den Aufbau von Ressourcen zur Bewältigung einer Krebserkrankung. Dazu gehören ein gesundheitsförderlicher Lebensstil (Ernährung, Sport, Umgang mit Stress), aber auch der Aufbau von Gesundheitskompetenz im Hinblick auf ein ganzheitliches Behandlungsmanagement, um Akut- und Spätfolgen einer Krebstherapie besser zu behandeln (Empowerment).

Motivation und Innovation

 

Viele Menschen mit einer Krebserkrankung leiden nicht nur unter einzelnen Beschwerden, sondern unter mehreren Belastungen gleichzeitig. Dazu gehören vor allem starke Erschöpfung, innere Unruhe, niedergeschlagene Stimmung, Ängste und Sorgen, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Symptome treten häufig gemeinsam auf und beeinflussen sich gegenseitig.

Naturerleben – insbesondere der Aufenthalt im Wald – wird seit einigen Jahren intensiv erforscht. Studien aus unterschiedlichen Bereichen deuten darauf hin, dass das Erleben von Natur mit mehreren Sinnen ganz besonders auf uns wirken kann: das Sehen von Grün, das Hören von Naturgeräuschen, das Erleben von Ruhe sowie das Riechen typischer Waldgerüche. Diese Naturerfahrungen könnten dazu beitragen, Stress zu reduzieren und dabei unterstützen trotz Krebserkrankung das körperliche und seelische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Vor diesem Hintergrund untersucht unser Team seit 2025 in einem Forschungsprojekt, wie sich ein Aufenthalt im Wald (Sog. „Waldbaden“) im Vergleich zu einem Waldbad in der Vorstellung (mit eigenen inneren Bildern) oder in der virtuellen Realität (mit einer sog. VR-Brille) auf Krebspatienten auswirkt. Dabei wollen wir vor allem den Effekt auf die krebsbedingte Erschöpfung, die Fatigue, herausfinden.  

Auch während eines stationären Krankenhausaufenthalts fühlen sich viele Patientinnen und Patienten stark erschöpft, innerlich angespannt oder überfordert. Der Klinikalltag und das Stationszimmer lässt jedoch oft wenig Raum für Ruhe, Erholung oder unterstützende Angebote.

Gerade für Menschen, die durch Krankheit oder Behandlung stark eingeschränkt sind und nicht selbst in die Natur gehen können, könnten Ansätze interessant sein, die Natur auf andere Weise erlebbar machen. Virtuelle Angebote oder angeleitete Vorstellungen bieten die Möglichkeit, Natur auch dann zu erleben, wenn Beweglichkeit, Kraft oder Zeit fehlen. Vor diesem Hintergrund möchten wir untersuchen, ob und wie das Erleben der Natur in Form eines Waldbades – virtuell oder in der Vorstellung – im Klinikalltag umgesetzt werden kann und ob diese Angebote von Patientinnen und Patienten angenommen werden.

 

„Schon Sebastian Kneipp kam zu dem Schluss: ‚Die Natur ist die beste Apotheke.‘
Wenn Patientinnen und Patienten während der Behandlung nicht in die Natur können, untersuchen wir, ob es möglich ist, den Wald zu den Menschen zu bringen.“
Claudia Löffler, Projektleitung

 

Mit dem Forschungsprojekt FOREST-IN möchten wir daher prüfen, ob naturbasierte Entspannungsangebote während eines stationären Krankenhausaufenthalts umsetzbar sind und ob sich Natur als unterstützendes Angebot in den Klinikalltag integrieren lässt.

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Abbildung 2: Imaginiertes und virtuelles Walderleben: Naturerleben über innere Bilder (links) und mithilfe einer VR-Brille (rechts).

 

Welche Ziele verfolgt das Projekt?

 

In dieser frühen Projektphase geht es vor allem um die Machbarkeit:

  • Nehmen Patientinnen und Patienten solche Angebote im Krankenhaus an?
  • Wie fühlen sich die Patientinnen und Patienten vor und nach dem Walderleben, zum Beispiel in Bezug auf Erschöpfung, Anspannung oder Stimmung.
  • Lassen sich die Sitzungen trotz Behandlungen, Untersuchungen und Visiten durchführen?
  • Wie aufwändig ist die Umsetzung für Klinik und Personal?
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Abbilung 3: Einblick in virtuelles Waldbaden – Beispiel Frühling und Winter

Ansatz des Forschungsprojektes

 

Wir testen zwei unterschiedliche Ansätze, die den Zugang zu einer natürlichen, ruhigen Umgebung während des Krankenhausaufenthalts erleichtern sollen:

  • Virtuelles Waldbaden:
    Patientinnen und Patienten erleben mithilfe einer VR-Brille eine ruhige Waldumgebung – mit Bildern und Naturgeräuschen.
    Ergänzend wird eine speziell für die FOREST Studie entwickelte Aromamischung eingesetzt, die an typische Waldgerüche erinnert und das Eintauchen in die virtuelle Waldatmosphäre unterstützen soll.
  • Imaginiertes Waldbaden:
    Hier werden die Teilnehmenden angeleitet, sich eine Natur- oder Waldszene vorzustellen – ganz ohne Technik.
    Auch in diesem Ansatz wird eine Aromamischung eingesetzt, um die Vorstellung der Waldatmosphäre zu erleichtern und das sinnliche Erleben zu unterstützen.

Beide Angebote dauern jeweils etwa 30 Minuten und finden bis zu 6x während des stationären Aufenthalts statt. Sie werden von geschultem Personal begleitet und flexibel an den Klinikalltag angepasst.

Welche Krebserkrankung soll behandelt werden?

 

Teilnehmen können Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen, die mindestens sieben Tage im Krankenhaus behandelt werden. Geplant ist die Teilnahme von 40 Patientinnen und Patienten. Einschränkungen ergeben sich ausschließlich aus Sicherheitsgründen, etwa bei bekannten Unverträglichkeiten gegenüber Duftstoffen oder wenn der Einsatz einer VR-Brille medizinisch nicht empfohlen ist.

 

Das Projekt wird von einem interdisziplinären Team aus Medizin, Psychologie und Pflege durchgeführt, das bereits Erfahrung mit naturbasierten Interventionen und klinischer Forschung hat.

Warum soll das Forschungsprojekt unterstützt werden?

 

Zusätzliche Unterstützungsangebote neben der medikamentösen Therapie spielen in der Krebsbehandlung eine immer größere Rolle. Bevor solche Angebote jedoch fest in den Klinikalltag integriert werden können, muss klar sein, ob und wie sie bei einem stationären Aufenthalt realistisch umsetzbar sind.

 

FOREST-IN soll genau diese Lücke schließen und wichtige Grundlagen für weiterführende Forschungsprojekte und zukünftige Versorgungsangebote schaffen.

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